Tokio : riesig, ruhig, regelkonform

Mittenrein! In diese riesige Stadt, in die Menschenmassen.

Citylife – für zwei volle Wochen

Tokio ist die größte Stadt der Welt – und die leiseste. Es ist so unglaublich leise. Keine Staus, kein Hupen, kein Anrempeln in der Bahn, keine Marktschreier – nein, man wird quasi angeflüstert –, alles scheint im Fluss. Faszinierend. Die Japaner sind Meister der Prozesse und Regeln. Ich traue mich nicht einmal über eine klitzekleine Seitenstraße bei Nacht, kein Auto weit und breit, über Rot zu gehen. Das macht man hier einfach nicht.

Tagsüber laufen alle in Anzug oder Kostümchen durch die Straßen – alle. Egal welchen Job sie ausüben. Alles ist sauber, ordentlich, durchstrukturiert. Alles folgt einer äußerlichen Ordnung. Außer man ist betrunken – dann ist alles erlaubt. Irgendwie passt das anscheinend mit in die Etikette. Dann kann man auch mit kurzem Röckchen breitbeinig, Handy und Portemonnaie in der Hand, in der Bahn einschlafen, kein Problem. Man spricht nicht drüber und ausgeraubt wird man hier nicht.

Spannend auch alles rund um Manga, Spieleszene, Karaoke und ein Highlight: Halloween in Shibuya.

Aus der Kategorie First-Time-Things: Ich musste in einer Karaoke-Bar „99 Luftballons“ performen. Lied durfte ich mir leider nicht aussuchen. Ich versteh jetzt, warum die Asiaten da so drauf abgehen. Ein Spaß!

Ebenfalls ein Spaß: Der erste Besuch einer Toilette. Ich hatte direkt am Flughafen dieses Vergnügen. Genau genommen benötigt man eine Anleitung. Oder man macht es wie ich: einfach einmal all diese Knöpfe durchprobieren. Es ist wirklich alles dabei, von dem mir gar nicht bewußt war, dass man es bräuchte. Musik zum Vertuschen von Geräuschen zum Beispiel. Mit Lautstärkenregelung versteht sich.

Kamakura

2 Wochen Tokio – ein klein wenig will ich vom Umland auch sehen. Deshalb: Tagesausflug nach Kamakura, ein Ort südlich von Tokio am Meer, berühmt für die riesige Buddha Statue. 

Hakone

Und einmal High-Speed Zug fahren. Und zwar nach Hakone. Wunderschöne Landschaft, ein Schrein und leider kein Blick auf Mount Fuji – der versteckt sich hinter den Wolken.

Das erste Mal auf meiner Reise hab ich das Gefühl, dass ich Lust auf Austausch rund um das Thema habe, das mich die letzten drei Jahre zu Hause beruflich sehr erfüllt hat. Ich stolpere also spontan und in meinem Traveler Outfit auf Meetups zum Thema Digitale Transformation und Product Innovation. Spannende Kontakte und Folgetermine.

Dinge, die ich in Japan gelernt habe

1. Wie leise eine so volle Stadt sein kann. Das hat mich wirklich nachhaltig fasziniert. Kein Geschrei, kein Gehupe, ausschließlich Elektroautos.

2. Alles im Fluss. Japaner scheinen Meister des Komplizierten (Cynefin-Modell). Toyota als Vorzeigefirma für Lean, Kaizen als Grundprinzip. In Tokio kann man es im Stadtalltag erleben.

3. Hierarchie und Prozesse – ohne geht gar nichts. Das ist die andere Seite. Sind die Japaner bereit für komplexe Aufgabenstellungen des Wissenszeitalters? Ich will nicht zu fachlich werden an der Stelle. Beim U-Bahn-Netz merkt man die Haken. Google Maps macht hier übrigens einen richtig guten Job. Für den Fall, dass sich jemand mal „lost in Tokio“ fühlt. Die Infos aus der Routenplanung von Maps bringen einen garantiert und ganz einfach ans Ziel.

4. Rhythmusänderung, Taktzahl rauf – hier bin ich nachtaktiv. Es passiert einfach so, ich bin selten vor 2 Uhr im Bett. Irgendwie ist die Stadt bei Nacht mit all den Lichtern und Leuchtreklamen noch mal schöner. Man wird einfach nicht müde.

5. Ich mag dieses dezente Verbeugen beim Danke sagen. Irgendwie fühl ich mich unglaublich höflich damit. Ratz fatz ist das bei mir in Fleisch und Blut übergegangen. Höflich, nicht unterwürfig fühlt es sich an. Und alle machen es, ständig. Ich jetzt auch.

6. Meet-Ups around the world sind unglaublich spannend. Vielleicht kann man mir etwas Kaltschnäuzigkeit vorwerfen, einfach im Jogger am anderen Ende der Welt auf ein Meet-Up mit lauter Anzugsträgern, weil hier üblich so, zu stolpern, vielleicht bin ich auch einfach nur neugierig. Das Ergebnis: interessante Folgetermine und Gespräche. Mit das Beste, was ich in Tokio gemacht habe.

All die Inspirationen werde ich mit auf die Philippinen nehmen… und zu Papier bringen, kräftig in die Tasten hauen.

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